Freudentränen bei der Hochzeit. Heul Doch!

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Freudentränen bei der Hochzeit

Es gibt die unterschiedlichsten Begriffe, die beschreiben wie uns das Wasser in die Augen steigt. Schon als Babies öffnen sich alle (Tränen-)Kanäle und soweit wir wissen sind wir die
einzigen Tiere auf dem Planeten, die nicht nur zum Reinigen des Auges das ein oder andere Tränchen vergießen – emotionales Weinen kann uns aus den unterschiedlichsten Beweggründen beschert sein. Bei Trauer und Wut steigen uns ganz unwillkürlich die Tränen in die Augen, aber warum weinen wir auch aus purer Freude die sog. Freudentränen? Bei einer Hochzeit sind die Freudentränen natürlich stets glücklicher Natur. Weshalb nicht wenige Paare Freudentränen Taschentücher bereithalten. Nett in der Kirche platziert, sind diese Freudentränen Taschentücher Boxen ein sehr süßes Element für all die Gäste, die nah am Wasser gebaut sind.

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Freudentränen lügen in der Regel nicht

Wie nah wir am Wasser gebaut haben und ob wir nun aus Freude oder Trauer weinen verrät einiges über uns selbst: Weinen kann uns ebenso wie andere intensive emotionale Erlebnisse dabei helfen, zu erfahren, was uns wirklich bewegt und wichtig ist.

Jedem von uns ist mal zum Heulen zumute, ganz besonders wenn es um die Hochzeit geht und doch wissen wir überraschend wenig über die Tränen, die wir vergießen. Hier einige interessante Fakten:

1. Nicht alle Tränen sind gleich

  • Basale Tränen befinden sich immer in unseren Augen. Sie dienen dazu, das Auge zu befeuchten, es mit Nährstoffen zu versorgen.
  • Reflextränen schützen die Augen vor Reizungen, z.B. Durch Rauch, Fremdkörper oder auch Zwiebeln. Diese zwei Arten von Tränen unterscheiden sich durch ihre chemische Zusammensetzung.
  • Emotionale Tränen, sind die Tränen, die wir aus Rührung, Wut, Trauer oder eben als Freudentränen weinen. Sie enthalten Studien zufolge mehr Proteine, als die anderen Tränen.

2. Warum heulst Du denn – die Wissenschaft weiß es nicht

Es gibt zahlreiche Theorien, warum wir emotionale Tränchen verdrücken – Einige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass unsere Tränen evolutionsbedingt dazu dienten andere zu warnen, ohne laute Geräusche wie Schreie von sich zu geben. Es ist vorstellbar, dass die Natur ein Signal entwickeln musste, mit dem andere gewarnt werden können, ohne dass beispielsweise ein Jäger auf sich aufmerksam machte. Aber das menschliche Verhalten entwickelt sich im Lauf der Zeit weiter und dient dann oft mehreren Zwecken. Ein weiterer Grund könnte sein, dass wir auf Probleme aufmerksam machen möchten oder Trost brauchen. Weinen ist eine Möglichkeit, in schweren Zeiten Unterstützung zu bekommen und lässt kaum
einen Menschen kalt. Zusätzlich kann Weinen bei einem Streit zu einer schnelleren Konfliktlösung beitragen. Wenn wir weinen, lösen wir bei anderen Menschen Mitgefühl und
Schuldgefühle aus. Das wiederum kann ein evolutionär entwickelter Mechanismus sein, um Beziehungen zu retten. Jemanden zu bestrafen oder mit jemandem zu streiten, der weint ist mehr als schwer. Die Tränen sind ein Notsignal, das uns klar aussendet, wir sollen uns zurückhalten.

3. Tränen – damit kein Auge trocken bleibt.

Biochemisch ähneln Tränen unserem Speichel. Tränen sind essentiell dafür, dass das Auge feucht bleibt. Die Tränenflüssigkeit besteht nicht nur aus Wasser und Salzen, Sie enthält auch Proteine, Hormone und anderen Stoffe, die für die Gesundheit des Auges wichtig sind und helfen, Infektionen zu bekämpfen. Abgesehen von der rein biologischen Komponente, weinen Menschen aus unterschiedlichen Gründen und in Reaktion auf ästhetische Reize.

4. Mädchenmomente – Frauen weinen häufiger als Männer, nicht nur bei der Hochzeit

Studien ermittelten, dass Frauen schätzungsweise 5,3 Mal im Monat weinen, Männer nur 1,4 Mal. Eine andere Schätzung nennt 2-5 weibliches Weinen pro Monat, Männer heulen dagegen nur 0,5-1 Mal monatlich. Eine deutsche Studie zeigte zumal, dass Frauen durchschnittlich sechs Minuten lang weinen, Männer dagegen verdrücken Ihre Tränen in zwei bis vier Minuten. Dieselbe Studie zeigte auch, dass 65 Prozent der Frauen von Weinen zu Schluchzen übergehen, aber nur 6 Prozent der Männer.)

Der Geschlechterunterschied beim Weinen hängt auch von kulturellen und länderspezifischen Merkmalen ab. Tatsächlich weinen Frauen in westlichen Kulturen mit mehr Freiheit und Gleichberechtigung häufiger als Frauen in traditionelleren Kulturen. Die Unterschiede bei Männern in unterschiedlichen Kulturen sind dagegen weniger ausgeprägt. Diese Erkenntnis stellt die Annahme in Frage, dass Weinen einfach ausschließlich ein unwillkürlicher Reflex ist, der durch bestimmte Gefühle ausgelöst wird.

Weil ich ein Mädchen bin – die Biologie spielt bei den Freudentränen eine Rolle

Frauen vergießen auch mehr Tränen als Männer, schlicht weil Sie Frauen sind. Unter dem Mikroskop betrachtet sehen Zellen aus weiblichen Tränendrüsen anders aus als männliche. Außerdem sind die Tränengänge bei Männern länger als bei Frauen. Das bedeutet, dass Frauen ihre Tränen nicht so lang zurückhalten können wie Männer. „Die männlichen Tränengänge lassen sich mit einer großen, starken Regenrinne bei einem Wolkenbruch vergleichen“, sagt Louann Brizendine, Neuropsychiaterin an der University of California in
San Francisco.

5. Rotz und Wasser – Warum läuft die Nase, wenn man weint?

Tränen werden in den Tränendrüsen gebildet. Die befindet sich im äußeren, oberen Augenbereich. Wenn zu viele Tränen gebildet werden, fließen sie über die Tränengänge zur Nasenhöhle. Und wenn die Tränen nicht mehr über die Tränengänge ablaufen können, fließen Sie aus den Augen. Die laufende Nase beim Weinen ist also anatomisch bedingt. Die Nase läuft, weil Tränen in die Nasenhöhle gelangen. Einige davon landen in der Nase, und dann läuft uns die Nase. Die Kopfschmerzen nach einem Weinanfall lassen sich dagegen nicht so leicht
erklärt. Man vermutet, dass es etwas mit dem Wasserverlust durch die Tränen zu tun haben könnte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass unsere Muskel sich verspannen, wenn wir uns emotional aufgewühlt sind und uns aufregen.

6. Krokodilstränen sind kein fake – aber kein Grund zum Heulen

Zumindest nach Meinung eines Forschers an der University of Florida. Eine Abhandlung beschreibt, dass Krokodile tatsächlich weinen – aber nicht, weil sie traurig sind. Krokodile weinen beim Fressen. Die genaue Ursache dafür ist zwar nach wie vor unklar, die Forscher aus Florida sind jedoch der Meinung, dass es ganz sicher nicht Trauer ist, sondern nur passiert, weil sie schlicht irgendwo reinbeißen. Krokodile scheinen ständig Tränen zu produzieren. Ebenso wie bei uns dienen die Tränen dazu, das Auge feucht zu halten – für Krokodile wohl
noch wichtiger, weil sie drei Augenlider haben.

7. Die Welt wieder klar sehen – Weinen hilft tatsächlich

Die meisten Heulanfälle sind kräftezehrende, aber irgendwie fühlt man sich besser danach. Wie gut man sich nach einem Tränenausbruch fühlt, hängt aber auch vom sozialen Umfeld ab. Wer umgeben von hilfsbereiten Menschen in einem angenehmen Umfeld weint, fühlt sich danach besser als jemand, der (erfolglos) versucht, die Tränen zurückzuhalten, wenn er oder sie sich verletzlich fühlt oder sich schämt. Im Rahmen einer Studie für die Fachzeitschrift Current Directions in Psychological Science wurden über 3.000 Berichte zu Tränenausbrüchen ausgewertet. Dabei stellten man fest, dass sich das Weinen auf die Stimmung der Teilnehmer
auswirkt. Die Auswirkungen waren jedoch sehr unterschiedlich:

  • Ein Drittel der Befragten gab an, keine Verbesserung zu spüren
  • einem Zehntel ging es nach dem Weinen sogar schlechter als vorher. Eine wichtige Erkenntnis war, dass sich das soziale Umfeld auf die Gefühle beim Weinen auswirkt.
  • Knapp zwei Drittel der Menschen, die während des Weinens Hilfe und
    Unterstützung erhielten, fühlten sich danach besser als jene, die keinerlei Unterstützung hatten.
  • Einige Forscher sind der Meinung, dass emotionale Tränen im Gegensatz zu Basal- oder Reflextränen Stresshormone enthalten, die der Körper durch Weinen loswerden möchte.
  • Eine andere Theorie ist, dass durch das Weinen Endorphine ausgeschüttet werden.

8. Ich weine nur weil ich so glücklich bin – Freudentränen

Menschen, die Freudentränen vergießen, sehen todtraurig aus, sind aber eigentlich über allen Maßen glücklich. Es ist das Phänomen der sog. dimorphen Gefühlsausdrücke – das sind Gefühlsausdrücke, die wir mit gegenteiligen emotionalen Reaktionen erleben. Im Fall der Freudentränen empfinden wir positive Gefühle wie Glück, Erleichterung, Erfolg oder Dankbarkeit sehr intensiv. Einerseits kann sich das in einem Lachen zeigen, also in einem positiven Gefühlsausdruck, gleichzeitig aber auch im Weinen, das eigentlich mit negativen Gefühlen besetzt ist. Freudentränen und andere dimorphe Gefühlsausdrücke wie nervöses Lachen treten in extrem emotionalen Momenten auf. Diese Art von Emotionalität tritt nicht auf, wenn Menschen nur ein bisschen glücklich oder ein bisschen aufgeregt sind. Menschen, die ihre Emotionen generell sehr intensiv wahrnehmen, sind eher abonniert auf gegensätzlichen Gefühlsausdrücke.

Übrigens: Wer vor lauter Verzückung beim Anblick seines Kindes es in die
Wange kneift – wenn auch mit liebevoller Intension eine eigentlich aggressive Geste – zeigt ein ähnlich dimorphes Verhalten.

Freudentränen und traurigen Tränen – kaum ein Unterschied

Es scheint, als würden sich Freudentränen tatsächlich nicht groß von anderen Tränen unterscheiden. Beiden geht eine starke emotionale Erregung voraus. Die Hirnregionen, die für emotionale Erregung zuständig sind, darunter auch der Hypothalamus und die Basalganglien, sind mit einem Teil des Hirnstamms verbunden, der Tränenkern genannt wird und die Tränenproduktion auslöst. Eine weitere Theorie besagt, dass Tränen dazu dienen, den Körper nach übermäßiger Erregung (sowohl durch positive als auch negative Gefühle)
wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auf dem Höhepunkt der Anspannung – ob nun nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft oder beim Weg zum Traualtar – können Tränen dabei
helfen, einen Menschen wieder zu erden. Da den Freudentränen ein intensives positives Gefühl vorausgeht, können die Tränen also zunächst als eine Art Gegenspieler wirken, um die emotionale Balance wiederherzustellen und überwältigenden Gefühle wieder für einen
selbst greifbar werden zu lassen. Außerdem können sie als ein Mittel der Kommunikation anderen zeigen, dass wir mit einer Situation emotional überfordert sind. Unsere Mitmenschen können darauf reagieren, indem sie dem Weinenden Zeit geben, seine Fassung wiederzuerlangen, oder ihm mitfühlend den Arm um die Schultern legen.

9. Nicht jeder ist nah am Wasser gebaut

Einige Menschen weinen häufiger als andere, doch die Gründe dafür sind unklar. Wir wissen, dass Frauen öfter weinen als Männer. Dasselbe gilt für traumatisierte, ängstliche, extrovertierte und besonders empathische Zeitgenossen. Einerseits liegt das vielleicht einfach an den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Menschen. „Andererseits ignorieren manche Menschen bestimmte Dinge oder werden davon nicht so stark berührt.

Wie schnell uns die Tränen kommen, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst; dazu gehören zum Beispiel die aktuelle Stimmung, Stressbelastung, Hormonschwankungen, geistige Gesundheit und Müdigkeit. Auf den ersten Blick können Freudentränen zwar merkwürdig wirken, doch sie helfen uns, unsere Gefühle zu regulieren und erlauben anderen einen Zugang zu unserem inneren Erleben – eine Grundvoraussetzung für menschliches Miteinander. Also Taschentücher raus und keine falschen Hemmungen, es darf nach Herzenslust geheult werden – vor allem bei der Hochzeit. Eine Hochzeit ohne Freudentränen ist ohnehin kaum vorstellbar.